Schacholympiade Tromsø

Klatsch und Tratsch zum Thema Schach

Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Topschach » Di 15. Apr 2014, 08:01

Die Schacholympiade findet in diesem Jahr vom 01.08. bis 14.08. im norwegischen Tromsø statt. Folgende Spieler wurden für die Deutsche Mannschaft nominiert:

Team Männer:

GM Arkadi Naiditsch (die Deutsche Nummer 1)
GM Liviu-Dieter Nisipeanu (der aktuelle Neuzugang beim DSB)
GM Georg Meier (der solide Kreative)
GM Daniel Fridman (der halbe Punkt ist sicher)
GM David Baramidze (der kreative Solide)

Team Frauen:

IM Elisabeth Pähtz (spielt praktisch Männerschach)
WGM Tatjana Melamed (viel Erfahrung)
WGM Zoya Schleining (ebenfalls viel Erfahrung)
WGM Melanie Ohme aka "Oben Ohme" (in jeder Partie bissig, bisher jedoch ohne solides Eröffnungsrepertoire)
WGM Sarah Hoolt (bis zum Selbstmatt kreativ)

Lange Zeit war es nicht sicher, ob GM Arkadi Naiditsch für Deutschland in der Schacholympiade antreten wird. Querelen mit dem DSB gibt es aktuell immer noch, wobei man diesmal nicht die Öffentlichkeit gesucht hat. Am Ende konnte man sich mit Naiditsch einigen. Mit Liviu-Dieter Nisipeanu hat das Deutsche Schach einen absolut symphatischen Weltklassespieler gewonnen. Mal schauen, wie lange er sich beim DSB wohlfühlen wird. 8-)

Bei den Frauen hat man auf eine solide Aufstellung gesetzt. Zumindest an den vorderen Brettern. WGM Melanie Ohme galt in der Vergangenheit als sehr anfällig im Eröffnungsbereich. Oft konnte sie sich aber irgendwie rauswurschteln. Mal schauen, was sie für die Olympiade vorbereitet hat.

Nun zum Thema Medien:

Wir von Topschach.de werden natürlich wieder die besten Partien als Videoanalyse kostenlos bereitstellen. Das norwegische Fernsehen überträgt die Schacholympiade LIVE und auch einige Online-Anbieter sind wieder mit von der Partie, wenn es um die Liveübertragung geht. Allen voran, der Newcomer Chess24, welcher sich sehr geschickt in die Schacholympiade eingebracht hat und für den offiziellen Internetauftritt zuständig ist (http://chess24.com/de/schacholympiade2014). Da Chess24 direkt in Konkurrenz zu Chessbase steht, gibt es bei dieser Schacholympiade schon die ersten Konfliktsituationen. Wohl nur widerwillig akzeptierte der MegaHuperDuperPremiumsponsor Chessbase die Verlinkung zum Konkurrenten Chess24 auf der DSB-Webseite. Während man bei Chess24 recht offen mit der Berichterstattung umgeht, wurden bei Chessbase scheinbar wieder die Daumenschrauben angezogen und bei dem ersten Bericht zum Thema Schacholympiade verzichtete man auf die Verlinkung zu Chess24. Eigentlich sollte Chessbase ja aus der Vergangeheit gelernt haben. Wir erinnern uns noch gut daran, wie Chessbase die damals weltbeste Engine Rybka versuchte zu ignorieren und es sogar zur Zensur auf dem hauseigenen Schachserver kam, wenn jemand das Wort Rybka im Chat erwähnte. Am Ende musste Chessbase einsehen, dass sie halt doch nicht den Markt nach Belieben bestimmen können und der Kunde das letzte Wort hat. Als Publisher holte Chessbase dann Rybka mit ins Boot. Das gleiche Spiel wiederholte sich mit Houdini.

Nun gut. Was hat das alles mit Chess24 zutun ? Chess24 will vom großen Online-Kuchen nicht nur einen kleinen Teil abbekommen, sondern den kompletten Kuchen für sich beanspruchen. Die Kampfansage von chess24 ist mittlerweile schon ein paar Jahre alt und richtig ernst genommen hat Chessbase das wohl nicht. Erst mit dem plötzlichen Erscheinen des Onlineauftrittes von Chess24, bekam man bei Chessbase die gewünschte Aufmerksamkeit.

Chess24 wird neben der Schacholympiade auch noch für weitere große Events das Onlinegeschäft übernehmen. Genau hier muss sich Chessbase sorgen machen. Bisher griff Chessbase einfach auf die Partien zu und organisierte eine eigene LIVE-Übertragung auf dem eigenen Schachserver. Eine einfache und kostengünstige Sache. Bei der Schacholympiade sehen wir aber zum ersten Mal, dass die für den Onlineauftritt zuständige Firma ebenfalls ein Online-Schach-Angebot hat und in direkter Konkurrenz zu Chessbase steht. Warum also noch bei Chessbase einem müden Klaus Bischof beim Kommentieren zuhören, wenn man ein junges spritziges Team bei Chess24 hat ? Warum nebenbei bei Chessbase spielen, wenn man das auch bei Chess24 machen kann ? Aktuell kann sich Chessbase natürlich noch auf die Gewohnheitsbenutzer ausruhen, die seit Jahren auf dem Chessbase-Server spielen, aber wie sieht die Zukunft aus ?

Für uns Schachspieler ist diese Konkurrenzsituation natürlich schön, da beide Anbieter um Kunden kämpfen müssen und damit die Angebote auf beiden Seiten besser werden müssen. Ich persönlich möchte zumindest das Datenbankprogramm von Chessbase nicht missen, aber auf den Rest kann ich gut verzichten.

FAZIT:
Die Schacholympiade bietet also genug Kampf auf und neben den Brettern. Ich bin gespannt, wie sich die Schachwelt weiter entwickeln wird. Wir von Topschach bleiben natürlich am Ball :)
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Re: Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Topschach » Di 20. Mai 2014, 11:15

Nachdem es bei der Organisation der Schacholympiade zu einem Geldengpass gekommen ist, steht eine mögliche Absage der Schacholympiade im Raum:

https://chess24.com/de/lesen/news/die-schacholympiade-in-geldnoeten

Dementsprechend gibt es natürlich einigen Klärungsbedarf, wie folgende Mails zeigen:

http://www.fide.com/component/content/article/1-fide-news/7993-chess-olympiad-tromso-2014-05-15.html

Ich persönlich bin mir sicher, dass die Schacholympiade stattfinden wird und die Drohung einer Absage nur als Druckmittel verwendet wurde, um doch noch die "erforderlichen" Euros zu bekommen.
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Re: Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Topschach » Mo 28. Jul 2014, 08:43

Wie bereits bekannt sein sollte, findet die Schacholympiade, wie zu erwarten war, statt. Es gibt allerdings erneute Unstimmigkeiten. Diesmal bezüglich verspäteter Mannschaftsmeldungen. Auf das Thema möchte ich aber nicht weiter eingehen, da es unsere deutschen Mannschaften nicht betrifft.

Viel interessanter ist der Einblick in die Vorbereitung unserer Teams auf die Schacholympiade:

http://www.schachbund.de/news/olympiatraining-im-bundesleistungszentrum.html

Mit Dorian Rogozenko als Trainer, sollte auf jeden Fall ein Spielstärkezuwachs unserer Mädels zu erwarten sein. Gerade im Eröffnunsbereich gibt es doch noch einige große Lücken zu füllen, wie man anhand der zuletzt gespielten Partien eutlich erkennen kann. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das spielerische Niveau jedoch schon soweit gestiegen, dass es vereinzelt Spaß macht, den deustchen Frauen beim Schach zuzuschauen. Spannend ist es in jedem Fall. ;)
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Re: Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Topschach » Fr 8. Aug 2014, 09:55

Und nach 5 Runden ein kleines Zwischenfazit:

Im Open lief es für unsere Männermannschaft zunächst recht gut, aber dann ließ wohl die Konzentration und Ausdauer nach. Schachlich sind alle Spieler echte Spitzenklasse, aber der ein odere andere Spieler sollte regelmäßigen Gang ins Fitness-Studio in Betracht ziehen. Ohne Ausdauer ist Spitzensport nicht möglich. Man stelle sich vor, ein Formel 1 Fahrer kann sich nicht die komplette Renndistanz konzentrieren.

Ein Interview auf der DSB-Seite zeigt, dass auch der neue Bundestrainer recht unzufrieden ist:

http://www.schachbund.de/news/viele-spieler-konnten-ihre-bestform-noch-nicht-erreichen.html

Da wird von Erkältung und Magenproblemen gesprochen, also genau die Krankheiten, welche man hat, wenn man sein Immunsystem durch regelmäßigen Sport nicht fit hält.

Bei den Frauen hat mich persönlich Melanie Ohme überrascht. Nachdem sie in den letzten Jahren durch recht kuriose Eröffnungsbehandlung aufgefallen ist, zeigte sie bei der aktuellen WM, dass sie es auch besser machen kann. Insgesamt fehlt es mir allerdings im Frauenteam an Siegeswillen und Ehrgeiz, was wohl an der offensichtlichen "Dauerurlaubsstimmung" der Mädels liegt. Man merkt es den meisten einfach an, dass ihnen das Schachspiel einfach nur ein Hobby für nebenbei ist.

Das es bei einigen Teilnehmern der Olympiade ganz klar weniger ums Schach geht, als um eine tolle Reise in ein schönes Land, zeigt exemplarisch die folgende Partie aus dem Frauenturnier:

[Event "Chess Olympiad (Women)"]
[Site "Tromso NOR"]
[Date "2014.08.05"]
[Round "4.59"]
[White "Rhoda Masiyazi"]
[Black "Akua Kosife Esse"]
[Result "1-0"]
[ECO "B00"]
[WhiteElo "1920"]
[PlyCount "5"]
[EventDate "2014.08.02"]

1. e4 g5 2. d4 f6 3. Qh5# 1-0

Da soll noch einer sagen, dass Schachpartien nicht bis zum Matt ausgekämpft werden. 8-)

Was die mediale Berichterstattung betrifft, hat Chess24 als Medianpartner der Olympiade bisher einwandfreie Arbeit abgeliefert. Der Konkurrent Chessbase versucht die Leistung zu ignorieren und lobt unterdessen das norwegische Fernsehen für die Liveübertragung. Aber ohne Chess24 geht es dann wohl doch nicht und so wird gaaaaaaanz am Ende eines jeden Artikels auf die offizielle Turnierseite von Chess24 hingewiesen. Den Vogel schießt allerdings der Schachbund ab. In seinen Nachrichten zur Olympiade wird Chess24 ebenfalls totgeschwiegen und anstatt die tolle deutsche Video-Berichterstattung von Chess24 zurückzugreifen, zeigt der Schachbund lieber englische Interviews von Chessbase. Wieder einmal beweist der Schachbund, wie unfähig er ist, wenn es um die richtige mediale Berichterstattung geht. Wie professionell und gut Chess24 berichtet, zeigt das aktuelle Video:



Auf sowas verzichtet der DSB und greift lieber auf die altbackenen Rentner-Gang von Chessbase zurück. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit wird diese Farce auch dem BMI nicht entgehen und die Ernsthaftigkeit des DSB wird auch zukünftig in Frage gestellt werden.

Mal schauen, wie es weitergeht. :-)

Schachlich werde ich auf jeden Fall noch einige Partien analysieren und auf YouTube veröffentlichen.

So long.....
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Re: Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Doc Jensen » Di 2. Sep 2014, 12:40

Warum antwortest du nicht auf meine Nachrichten via Schachfeld, lieber Benny???
Zuletzt geändert von Doc Jensen am Mi 3. Sep 2014, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Topschach » Di 2. Sep 2014, 13:29

@Doc Jensen

Ein Wirklich lesenswerter Bericht ! Ich kenne einige Spieler, welche an der Olympiade teilgenommen haben und alle stellen sich die Frage, wohin der zweistellige Millionen-Etat investiert wurde. Das der Ausrichter während der Vorbereitungen nochmals Millionenbeträge gefordert hat, wirkt im Nachhinein geradezu absurd.
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Re: Schacholympiade Tromsø

Beitragvon Topschach » Mi 10. Sep 2014, 09:16

Doc Jensen hat geschrieben:Warum antwortest du nicht auf meine Nachrichten via Schachfeld, lieber Benny???


Weil ich im Schachfeld höchsten in der Mittagspause zur Erheiterung reinschaue. Geschrieben wird da von anderen schon genug. ;)
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