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WM Capablanca-Alekhine (03) PGN (Kommentare)

Klatsch und Tratsch zum Thema Schach

WM Capablanca-Alekhine (03) PGN (Kommentare)

von kurutz » Mi 21. Aug 2013, 21:39

Liebe Schachfreunde

Wer die WM-Partien 1927 zwischen Capablanca und Alekhine nur
oberflächlich anschaut, dem wird es ob des fast ausschliesslich
und beidseitig zur Anwendung gelangenden Damengambits
fast schlecht. Trotzdem kann bei genauerem Studium der Partien
von Langeweile keine Rede sein. Also Grund genug, sich mit diesem
Wettkampf etwas genauer zu beschäftigen.

In der 3. Partie gewinnt Capablanca offenbar mit leicher Hand, was ebenso
wenig zutrifft wie die alten, teilweise unzutreffenden Kommentare zu dieser Partie.
Selbst Alekhine hat es nicht übers Herz gebracht, die Partie vorbehaltlos zu
kommentieren. Und andere haben die Glossen des grossen Schachkönigs einfach
ungefiltert übernommen. Die Partie selbst ist echt spannend und mir ist es
hoffentlich gelungen, einige neue Erkenntnisse zu finden.

Stand nach 3 Partien: 1,5 : 1,5

Die Partie wie üblich unkommentiert zum Nachspielen und separat zusätzlich kommentiert
sowie zum direkten Markieren/Download in eine Schach-GUI.

Mfg
Kurt

Bisherige Partien:
Game 1: http://forum.topschach.de/topic902.html
Game 2: http://forum.topschach.de/topic904.html

Stellung nach 8.c4 und bevor 8...e6?
rn1qkb1r/p3pppp/1p3n2/3p4/2PN4/6P1/PP2PPKP/RNBQ1R2 b kq - 0 8


Stellung nach 13...Lc5? und bevor 14.b4!
2r1k2r/p2q1ppp/1pn2n2/1Nbp4/Q4B2/6P1/PP2PPKP/RNR5 w k - 4 14


Stellung nach 17...Sxd2 und bevor 18.Dxd2!
4k2r/p2q1ppp/1pr5/1N1p4/1Q3B2/6P1/P2nPPKP/R7 w k - 0 18


Stellung nach 24...Txa2 und bevor 25.Txa2? (statt 25.Td4 +-)
4r1k1/p4ppp/1p6/3Q4/q4B2/1N2P1P1/r2R1PKP/8 w - - 0 25


Stellung nach 31...Db1 und bevor 32.Sxg7!
6rk/p5p1/1pQ1Np1p/8/3B3P/4P1P1/5PK1/1q6 w - - 1 32


Schluss-Stellung
q7/p1Q2k2/1p5p/5N1P/4P3/6P1/5PK1/8 b - - 3 42


[Event "Wch-03"]
[Site "Buenos Aires"]
[Date "1927.09.21"]
[Round "3"]
[White "Capablanca, Jose"]
[Black "Alekhine, Alexander"]
[Result "1-0"]
[ECO "A47"]
[EventDate "1927.09.21"]
[PlyCount "83"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1. d4 Nf6 2. Nf3 b6 3. g3 Bb7 4. Bg2 c5 5. O-O cxd4 6. Nxd4 Bxg2 7. Kxg2
d5 8. c4 e6 9. Qa4+ Qd7 10. Nb5 Nc6 11. cxd5 exd5 12. Bf4 Rc8 13. Rc1 Bc5
14. b4 Bxb4 15. Rxc6 Rxc6 16. Qxb4 Ne4 17. Nd2 Nxd2 18. Qxd2 O-O 19. Rd1
Rc5 20. Nd4 Re8 21. Nb3 Rcc8 22. e3 Qa4 23. Qxd5 Rc2 24. Rd2 Rxa2 25. Rxa2
Qxa2 26. Qc6 Rf8 27. Nd4 Kh8 28. Be5 f6 29. Ne6 Rg8 30. Bd4 h6 31. h4 Qb1
32. Nxg7 Qg6 33. h5 Qf7 34. Nf5 Kh7 35. Qe4 Re8 36. Qf4 Qf8 37. Nd6 Re7
38. Bxf6 Qa8+ 39. e4 Rg7 40. Bxg7 Kxg7 41. Nf5+ Kf7 42. Qc7+ 1-0

[Event "Wch-03"]
[Site "Buenos Aires"]
[Date "1927.09.21"]
[Round "3"]
[White "Capablanca, Jose"]
[Black "Alekhine, Alexander"]
[Result "1-0"]
[ECO "A47"]
[EventDate "1927.09.21"]
[PlyCount "83"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1. d4 Nf6 2. Nf3 b6
{Oops, fuer einmal kein orthodoxes Damengambit (Utzinger,K). }
3. g3 Bb7 4. Bg2 c5 5. O-O cxd4 6. Nxd4
{Mit dieser zahmen Eroeffnungsanlage ist natuerlich kein Blumentopf zu
gewinnen (Utzinger,K). }
6. ... Bxg2 7. Kxg2 d5
{Ausser der 34. Partie, in deren Schlussphase ich mich in
begreiflicherweise Aufregung befand, ist die vorliegende die einzige
des Wettkampfes, in der ich nicht ganz Herr meiner Nerven war. Schon
meine Eroeffungsbehandlung liess nach einigen befriedigenden
Anfangszuegen zu wuenschen uebrig, geboten war 7...g6 oder 7...Dc8
statt 7...d5 (Alekhine,A). Ein gewagter Zug, der dem Weissen erlaubt,
das Spiel vorteilhaft zu oeffnen. Besser ist 7...g6, gefolgt von Lg7;
auch 7...Sc6 ist ein sicherer Zug (Golombek,H). Mit diesen Kommentaren
mag ich mich nicht anfreunden; zwar trifft es zu, dass die
CB-Datenbank den vorgeschlagenen Bestzuegen klar bessere Ergebnisse
zuordnet, doch existieren fuer 7...d5 nur wenige Partien und werden
diese "verpflueckt", dann bleibt auch bei dieser Zugfolge fuer Weiss
kein Vorteil mehr uebrig (Utzinger,K). }
8. c4
{Golombek vergibt dafuer ein m.E. nicht berechtigtes Ausrufezeichen.
Mit einer Gewinnquote von 66 % und wenigen Partien aber ebenfalls
nicht aussagekraeftig (Utzinger,K). }
8. ... e6
{? Das ist falsch (Utzinger,K). Noch krasser zeigt sich dies (die
Eroeffnungsbehandlung)I im 8. Zuge, wo ich statt e6? einfach 8...dxc4!
9.Da4+ Dd7 10.Sb5 Dc6+ nebst Sbd7 ziehen sollte und ungefaehren
Ausgleich erzielt haette (Alekhine,A) Mit dieser Anmerkung widerlegt
der kuenftige Weltmeister seine Kritik zu 7...d5 gar selbst
(Utzinger,K). Nach 10.Dxc4 (statt Sb5) natuerlich nicht der schlechte
Vorschlag 10...Dd5+ 11.Dxd5 Sxd5 12.e4 mit weissem Vorteil
(Golombek,H), sondern einfach 10...e6 oder 10....Db7+. Ich sehe beim
besten Willen keinen Vorteil fuer Weiss in diesen Varianten, auch die
Computerprogramme nicht (Utzinger,K). }
9. Qa4+ Qd7 10. Nb5 Nc6 11. cxd5 exd5
{Laut Golombek,H der einzige Zug, aber nicht wegen der von ihm
angegebenen Folge 11...Sxd5 12.Td1 und fertig, sondern wegen
11...Sxd5? 12.e4, wonach bei bestem Spiel der schwarzer d5-Bauer
verloren ginge. Noch schlechter geht es Schwarz nach 11...Dxd5 12.Kg1
! (Utzinger,K). }
( 11. ... Nxd5 12. e4 a6 13. Rd1 Qb7 14. exd5 axb5 15. Qxb5 exd5 16.
Qxd5 {+-} )
( 11. ... Qxd5+ {?} 12. Kg1 Qd7 13. Rd1 Qb7 14. Bf4 Rc8 15. Nd2 Be7
16. Nc4 {+-} )
12. Bf4 Rc8 13. Rc1
{Droht die Partie mit 14.Sc7+ Txc7, 15.Lxc7 Dxc7, 16.Txc6 sofort zu
entscheiden (Golombek,H). }
13. ... Bc5
{Der nur teilwweise zutreffende Kommentar von A.Alekhine dazu lautet
"Trotzdem haette Schwarz sogar nach 13.Tc1 treffliche
Ausgleichschancen behalten, wenn er statt 13...Lc5?? - womit eine
Figur eingestellt wird - 13...Se4! gezogen haette. Darauf waere
14.Sc7+ wegen Txc7, 15.Lxc7 Sc5, 16.Df4 Se6 usw. verfehlt und 14.b4
koennte einfach mit 14...Ld6! beantwortet werden, was eine genuegende
Verteidigung gesichert haette (Alekhine,A). Wohl ist es richtig, dass
13...Se4 notwendig war, doch die Variante 14.b4 Ld6 stellt keine
genuegende Verteidigung dar, welche vielmehr in 14...g5! bestand
-->siehe Varianten. Auch die von H.Golombek gebrachten Varianten gehen
an den effektiven Moeglichkeiten von Schwarz in dieser Stellung vorbei
(Utzinger,K). }
( 13. ... Ne4 14. b4 Bd6
( 14. ... g5 {! viel besser als der Vorschlag von A.Alekhine
(Utzinger,K).} 15. Be5 f6 16. Bb2 Bxb4 17. Rxc6 Rxc6 18. Qxb4 Rc4
19. Qb3 O-O {und die schwarze Stellung scheint mir gut
lebensfaehig (Utzinger,K).} )
15. Nxd6+ Nxd6 16. Bxd6 Qxd6 17. b5 Ne7 18. Rxc8+ Nxc8 19. Qd4 O-O 20.
Nc3 Ne7 21. e4 Rc8 22. Rd1 Rc5 23. a4 {und im naechsten Zug geht der
schwarze d5-Bauer verloren (Utzinger,K).} )
14. b4 Bxb4
( 14. ... Nxb4 15. Nd6+ Kd8 16. Qxd7+ Kxd7 17. Nxc8 Rxc8 18. Nd2 {ist
keine erstrebenswerte Alternative (Utzinger,K).} )
15. Rxc6 Rxc6 16. Qxb4 Ne4 17. Nd2
{Aufgrund des offenbar leichten Sieges von Capablanca hat bislang sich
niemand die Frage gestellt, ob dieser Springerzug auch wirklich die
staerkste Fortsetzung darstellt. Das mag auch damit zusammenhaengen,
dass die alten Kommentare zum folgenden 18. weissen Zug schlicht und
einfach falsch sind. Meines Erachtens war hier 17.f3 Sc5 18.S1c3 die
bessere Wahl (Utzinger,K). }
17. ... Nxd2 18. Qxd2
{Im Widerspruch zu allen Kommentaren, wo meistens einfach die Meinung
des Verlierers abgeschrieben wurde, trifft Capablanca die richtige
Wahl (Utzinger,K). Aber auch die Art, wie Capablanca seinen
entscheidenden materiellen Vorteil verwertet, war alles andere denn
tadellos. Schon im 18.Zuge haette 18.Lxd2 De7 19.Db2!, um auf
19...De4+ mit 20.f3! Dxe2+ 21.Kg1 usw. fortzufahren, einen ziemlich
muehelosen Gewinn verbuergt (Alekhine,A). Diesen Argumenten schliessen
sich auch H.Golombek und andere ohne eigene Untersuchungen an. Es ist
jedoch voellig unersichtlich, weshalb Schwarz nach 18.Lxd2 die
schwache Fortsetzung 18...De7? waehlen sollte, die tatsaechlich rasch
verlieren wuerde. Richtig waere jedoch 18.Lxd2?! Tc5! mit Angriff auf
den wSb5 und Schutz des d5-Bauern, wonach ein Sieg fuer Weiss unklar
bliebe (Utzinger,K). }
( 18. Bxd2 Rc5 19. a4 O-O 20. Be3
( 20. Nd4 Rfc8 21. a5 Rxa5 22. Rxa5 bxa5 23. Qxa5 Rc4 {+=
(Utzinger,K)} )
20. ... Rc4 21. Qd6 Qe6 22. Qxe6 fxe6 23. Nxa7 d4 24. Bf4 Ra8 25. Nb5
Raxa4 26. Rxa4 Rxa4 {+= (Utzinger,K)} )
18. ... O-O 19. Rd1
{Naehere Untersuchung verdient 19.e4 (Utzinger,K). }
19. ... Rc5 20. Nd4 Re8 21. Nb3 Rcc8 22. e3 Qa4
{Eine schwere Entscheidung zugunsten der Dynamik anstelle des passiven
22...Tcd8 obwohl Weiss es im letzteren Fall wohl schwerer gehabt
haette (Utzinger,K). }
23. Qxd5
{Weiss hat sich entschieden, die Partie durch direkten Koenigsangriff
zu beenden. Darum laesst er zu, dass Schwarz am Damenfluegel zwei
verbundene Freibauern erhaelt, um so seine leichten Figuren am anderen
Fluegel konzentrieren zu koennen (Golombek,H). }
23. ... Rc2 24. Rd2 Rxa2
{? Ein Fehler, der ungestraft bleibt und bislang durch niemanden
kritisiert worden ist (Utzinger,K)}
( 24. ... Qxa2 25. Qd7 Rf8 26. Rxc2 Qxc2 27. Nd4 Qc5 28. Nf5 Qc4 {
verdiente bei weitem der Vorzug, obwohl sich am Ausgang der Partie
nicht geaendert haette (Utzinger,K)} )
25. Rxa2
{?! Capablanca verpasst den raschen Gewinn mit 25.Td4 (Utzinger,K) }
( 25. Rd4 Qa6 26. Rc4 b5 27. Rc7 Qe6 28. Qxe6 fxe6 29. Be5 {+-
(Utzinger,K)} )
25. ... Qxa2 26. Qc6 Rf8
{Die beste Verteidigung (Utzinger,K) }
27. Nd4
{Das Unheil naht (Utzinger,K) }
27. ... Kh8
{Um einen sicheren Hafen fuer den Turm auf g8 zu haben, falls Weiss
Ld6 spielen sollte (Golombek,H) Etwas laenger Widerstand haette aber
27...h6 geleistet (Utzinger,K) }
28. Be5
{Mit der unmittelbaren Mattdrohung Lxg7 Kxg7, Sf5+ Kg8, Df6
(Golombek,H) }
28. ... f6
{Auch andere Zuege retten nicht mehr (Utzinger,K) }
29. Ne6 Rg8 30. Bd4 h6
{Ein Luftloch fuer den Koenig, denn es drohte Sxg7 Txg7, Dxf6 usw.
(Utzinger,K). }
31. h4 Qb1
( 31. ... Kh7 32. h5 Qb1 33. Qd5 a5 34. e4 b5 35. Qf5+ Kh8 36. Bxf6 {
+-} )
32. Nxg7
{Die huebsche Schlusskombination. Der Springer ist tabu (Utzinger,K).
}
32. ... Qg6
( 32. ... Rxg7 33. Qxf6 Qe4+ 34. Kh2 Qb7 35. Qxh6+ Kg8 36. Bxg7 Qxg7
37. Qc6 {und die beiden Mehrbauern von Weiss geben den Ausschlag
(Utzinger,K) } )
33. h5 Qf7 34. Nf5 Kh7 35. Qe4 Re8 36. Qf4 Qf8 37. Nd6 Re7 38. Bxf6 Qa8+
39. e4 Rg7 40. Bxg7 Kxg7 41. Nf5+ Kf7 42. Qc7+
{denn Schwarz wird Matt (Utzinger,K) }
1-0

[Event "Wch-03"]
[Site "Buenos Aires"]
[Date "1927.09.21"]
[Round "3"]
[White "Capablanca, Jose"]
[Black "Alekhine, Alexander"]
[Result "1-0"]
[ECO "A47"]
[EventDate "1927.09.21"]
[PlyCount "83"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1. d4 Nf6 2. Nf3 b6
{Oops, fuer einmal kein orthodoxes Damengambit (Utzinger,K). }
3. g3 Bb7 4. Bg2 c5 5. O-O cxd4 6. Nxd4
{Mit dieser zahmen Eroeffnungsanlage ist natuerlich kein Blumentopf zu
gewinnen (Utzinger,K). }
6. ... Bxg2 7. Kxg2 d5
{Ausser der 34. Partie, in deren Schlussphase ich mich in
begreiflicherweise Aufregung befand, ist die vorliegende die einzige
des Wettkampfes, in der ich nicht ganz Herr meiner Nerven war. Schon
meine Eroeffungsbehandlung liess nach einigen befriedigenden
Anfangszuegen zu wuenschen uebrig, geboten war 7...g6 oder 7...Dc8
statt 7...d5 (Alekhine,A). Ein gewagter Zug, der dem Weissen erlaubt,
das Spiel vorteilhaft zu oeffnen. Besser ist 7...g6, gefolgt von Lg7;
auch 7...Sc6 ist ein sicherer Zug (Golombek,H). Mit diesen Kommentaren
mag ich mich nicht anfreunden; zwar trifft es zu, dass die
CB-Datenbank den vorgeschlagenen Bestzuegen klar bessere Ergebnisse
zuordnet, doch existieren fuer 7...d5 nur wenige Partien und werden
diese "verpflueckt", dann bleibt auch bei dieser Zugfolge fuer Weiss
kein Vorteil mehr uebrig (Utzinger,K). }
8. c4
{Golombek vergibt dafuer ein m.E. nicht berechtigtes Ausrufezeichen.
Mit einer Gewinnquote von 66 % und wenigen Partien aber ebenfalls
nicht aussagekraeftig (Utzinger,K). }
8. ... e6
{? Das ist falsch (Utzinger,K). Noch krasser zeigt sich dies (die
Eroeffnungsbehandlung)I im 8. Zuge, wo ich statt e6? einfach 8...dxc4!
9.Da4+ Dd7 10.Sb5 Dc6+ nebst Sbd7 ziehen sollte und ungefaehren
Ausgleich erzielt haette (Alekhine,A) Mit dieser Anmerkung widerlegt
der kuenftige Weltmeister seine Kritik zu 7...d5 gar selbst
(Utzinger,K). Nach 10.Dxc4 (statt Sb5) natuerlich nicht der schlechte
Vorschlag 10...Dd5+ 11.Dxd5 Sxd5 12.e4 mit weissem Vorteil
(Golombek,H), sondern einfach 10...e6 oder 10....Db7+. Ich sehe beim
besten Willen keinen Vorteil fuer Weiss in diesen Varianten, auch die
Computerprogramme nicht (Utzinger,K). }
9. Qa4+ Qd7 10. Nb5 Nc6 11. cxd5 exd5
{Laut Golombek,H der einzige Zug, aber nicht wegen der von ihm
angegebenen Folge 11...Sxd5 12.Td1 und fertig, sondern wegen
11...Sxd5? 12.e4, wonach bei bestem Spiel der schwarzer d5-Bauer
verloren ginge. Noch schlechter geht es Schwarz nach 11...Dxd5 12.Kg1
! (Utzinger,K). }
( 11. ... Nxd5 12. e4 a6 13. Rd1 Qb7 14. exd5 axb5 15. Qxb5 exd5 16.
Qxd5 {+-} )
( 11. ... Qxd5+ {?} 12. Kg1 Qd7 13. Rd1 Qb7 14. Bf4 Rc8 15. Nd2 Be7
16. Nc4 {+-} )
12. Bf4 Rc8 13. Rc1
{Droht die Partie mit 14.Sc7+ Txc7, 15.Lxc7 Dxc7, 16.Txc6 sofort zu
entscheiden (Golombek,H). }
13. ... Bc5
{Der nur teilwweise zutreffende Kommentar von A.Alekhine dazu lautet
"Trotzdem haette Schwarz sogar nach 13.Tc1 treffliche
Ausgleichschancen behalten, wenn er statt 13...Lc5?? - womit eine
Figur eingestellt wird - 13...Se4! gezogen haette. Darauf waere
14.Sc7+ wegen Txc7, 15.Lxc7 Sc5, 16.Df4 Se6 usw. verfehlt und 14.b4
koennte einfach mit 14...Ld6! beantwortet werden, was eine genuegende
Verteidigung gesichert haette (Alekhine,A). Wohl ist es richtig, dass
13...Se4 notwendig war, doch die Variante 14.b4 Ld6 stellt keine
genuegende Verteidigung dar, welche vielmehr in 14...g5! bestand
-->siehe Varianten. Auch die von H.Golombek gebrachten Varianten gehen
an den effektiven Moeglichkeiten von Schwarz in dieser Stellung vorbei
(Utzinger,K). }
( 13. ... Ne4 14. b4 Bd6
( 14. ... g5 {! viel besser als der Vorschlag von A.Alekhine
(Utzinger,K).} 15. Be5 f6 16. Bb2 Bxb4 17. Rxc6 Rxc6 18. Qxb4 Rc4
19. Qb3 O-O {und die schwarze Stellung scheint mir gut
lebensfaehig (Utzinger,K).} )
15. Nxd6+ Nxd6 16. Bxd6 Qxd6 17. b5 Ne7 18. Rxc8+ Nxc8 19. Qd4 O-O 20.
Nc3 Ne7 21. e4 Rc8 22. Rd1 Rc5 23. a4 {und im naechsten Zug geht der
schwarze d5-Bauer verloren (Utzinger,K).} )
14. b4 Bxb4
( 14. ... Nxb4 15. Nd6+ Kd8 16. Qxd7+ Kxd7 17. Nxc8 Rxc8 18. Nd2 {ist
keine erstrebenswerte Alternative (Utzinger,K).} )
15. Rxc6 Rxc6 16. Qxb4 Ne4 17. Nd2
{Aufgrund des offenbar leichten Sieges von Capablanca hat bislang sich
niemand die Frage gestellt, ob dieser Springerzug auch wirklich die
staerkste Fortsetzung darstellt. Das mag auch damit zusammenhaengen,
dass die alten Kommentare zum folgenden 18. weissen Zug schlicht und
einfach falsch sind. Meines Erachtens war hier 17.f3 Sc5 18.S1c3 die
bessere Wahl (Utzinger,K). }
17. ... Nxd2 18. Qxd2
{Im Widerspruch zu allen Kommentaren, wo meistens einfach die Meinung
des Verlierers abgeschrieben wurde, trifft Capablanca die richtige
Wahl (Utzinger,K). Aber auch die Art, wie Capablanca seinen
entscheidenden materiellen Vorteil verwertet, war alles andere denn
tadellos. Schon im 18.Zuge haette 18.Lxd2 De7 19.Db2!, um auf
19...De4+ mit 20.f3! Dxe2+ 21.Kg1 usw. fortzufahren, einen ziemlich
muehelosen Gewinn verbuergt (Alekhine,A). Diesen Argumenten schliessen
sich auch H.Golombek und andere ohne eigene Untersuchungen an. Es ist
jedoch voellig unersichtlich, weshalb Schwarz nach 18.Lxd2 die
schwache Fortsetzung 18...De7? waehlen sollte, die tatsaechlich rasch
verlieren wuerde. Richtig waere jedoch 18.Lxd2?! Tc5! mit Angriff auf
den wSb5 und Schutz des d5-Bauern, wonach ein Sieg fuer Weiss unklar
bliebe (Utzinger,K). }
( 18. Bxd2 Rc5 19. a4 O-O 20. Be3
( 20. Nd4 Rfc8 21. a5 Rxa5 22. Rxa5 bxa5 23. Qxa5 Rc4 {+=
(Utzinger,K)} )
20. ... Rc4 21. Qd6 Qe6 22. Qxe6 fxe6 23. Nxa7 d4 24. Bf4 Ra8 25. Nb5
Raxa4 26. Rxa4 Rxa4 {+= (Utzinger,K)} )
18. ... O-O 19. Rd1
{Naehere Untersuchung verdient 19.e4 (Utzinger,K). }
19. ... Rc5 20. Nd4 Re8 21. Nb3 Rcc8 22. e3 Qa4
{Eine schwere Entscheidung zugunsten der Dynamik anstelle des passiven
22...Tcd8 obwohl Weiss es im letzteren Fall wohl schwerer gehabt
haette (Utzinger,K). }
23. Qxd5
{Weiss hat sich entschieden, die Partie durch direkten Koenigsangriff
zu beenden. Darum laesst er zu, dass Schwarz am Damenfluegel zwei
verbundene Freibauern erhaelt, um so seine leichten Figuren am anderen
Fluegel konzentrieren zu koennen (Golombek,H). }
23. ... Rc2 24. Rd2 Rxa2
{? Ein Fehler, der ungestraft bleibt und bislang durch niemanden
kritisiert worden ist (Utzinger,K)}
( 24. ... Qxa2 25. Qd7 Rf8 26. Rxc2 Qxc2 27. Nd4 Qc5 28. Nf5 Qc4 {
verdiente bei weitem der Vorzug, obwohl sich am Ausgang der Partie
nicht geaendert haette (Utzinger,K)} )
25. Rxa2
{?! Capablanca verpasst den raschen Gewinn mit 25.Td4 (Utzinger,K) }
( 25. Rd4 Qa6 26. Rc4 b5 27. Rc7 Qe6 28. Qxe6 fxe6 29. Be5 {+-
(Utzinger,K)} )
25. ... Qxa2 26. Qc6 Rf8
{Die beste Verteidigung (Utzinger,K) }
27. Nd4
{Das Unheil naht (Utzinger,K) }
27. ... Kh8
{Um einen sicheren Hafen fuer den Turm auf g8 zu haben, falls Weiss
Ld6 spielen sollte (Golombek,H) Etwas laenger Widerstand haette aber
27...h6 geleistet (Utzinger,K) }
28. Be5
{Mit der unmittelbaren Mattdrohung Lxg7 Kxg7, Sf5+ Kg8, Df6
(Golombek,H) }
28. ... f6
{Auch andere Zuege retten nicht mehr (Utzinger,K) }
29. Ne6 Rg8 30. Bd4 h6
{Ein Luftloch fuer den Koenig, denn es drohte Sxg7 Txg7, Dxf6 usw.
(Utzinger,K). }
31. h4 Qb1
( 31. ... Kh7 32. h5 Qb1 33. Qd5 a5 34. e4 b5 35. Qf5+ Kh8 36. Bxf6 {
+-} )
32. Nxg7
{Die huebsche Schlusskombination. Der Springer ist tabu (Utzinger,K).
}
32. ... Qg6
( 32. ... Rxg7 33. Qxf6 Qe4+ 34. Kh2 Qb7 35. Qxh6+ Kg8 36. Bxg7 Qxg7
37. Qc6 {und die beiden Mehrbauern von Weiss geben den Ausschlag
(Utzinger,K) } )
33. h5 Qf7 34. Nf5 Kh7 35. Qe4 Re8 36. Qf4 Qf8 37. Nd6 Re7 38. Bxf6 Qa8+
39. e4 Rg7 40. Bxg7 Kxg7 41. Nf5+ Kf7 42. Qc7+
{denn Schwarz wird Matt (Utzinger,K) }
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