Heino oben Ohme

Klatsch und Tratsch zum Thema Schach

Heino oben Ohme

Beitragvon Topschach » Di 11. Aug 2015, 13:08

Melanie Ohme trifft auf Heino - Der Kampf der gigantischen Springer

Die WDR Sendung "Ich stelle mich" ist so etwas wie das Dschungelcamp mit Niveau. Mit Heino hatte diese Folge auch einen recht prominenten Vertreter der Schlager/Pop-Branche. Um 21:45 ging es am Sonntag los und auch wenn ich wusste, dass unser Schachmädel Melanie Ohme erst gegen Ende ihren Einsatz gegen Heino bekommen wird, habe ich mir die Sendung von Anfang an angeschaut. Sandra Maischberger mochte ich als investigative Journalistin schon immer und auch ihre leicht provokative Art beim Fragestellen zieht einen ordentlich mit.

Bevor es also gegen Melanie ging, gab es unter anderem so wichtige Infos wie "Heino trägt privat unter Freunden keine Sonnenbrille" etc.

Irgendwann war es aber dann soweit und ein Foto von Melanie erschien zunächst mit einem breiten Grinsen auf der Leinwand. Heino schaute zunächst etwas verdutzt, da er das Mädel nicht erkannte. Insgeheim hoffte er wohl, dass sich hier nicht noch ein uneheliches Kind anbahnte. Sandra Maischberger hatte die Spannung aber nicht allzu lange oben gehalten und erzählte Heino, dass es sich hier um eine Großmeisterin des Schachs handelt und da er ja selbst gerne Schach spielt nun die Gelegenheit bekommt, eine Blitzpartie gegen das Schachmädel Ohme zu spielen.

Schach im Fernsehen ! Das geht natürlich nicht ohne die legendäre Schachplaudertasche IGM Helmut Pfleger, welcher als Kommentator und Schiedsrichter dieser Blitzpartie fungieren sollte. Gespielt wurde an einem DGT-Brett mit einer DGT 2010 Schachuhr. Soweit, so praktisch, da die Partie mit dem DGT-Brett wunderbar auf die große Zuschauerleinwand bertragen werden konnte. Warum man aber nicht das Schachuhr-Modell DGT 3000 eingesetzt hat, mit welcher auch die Bedenkzeiten auf der Leinwand sichtbar gemacht werden können, erschließt sich mir nicht.

Bei dem DGT-Brett wurde auch fein säuberlich das DGT-Logo abgeklebt. Als TV-Sender will man schließlich nicht den Vorwurf bekommen, dass man eine Marke im Schach bevorzugt. Aber gerade bei der Sache mit mit dem Übertragen von Partien, gibt es eigentlich weltweit nur einen ernsthaften Hersteller. Und der ist nunmal DGT :-)

Bei den Schachuhren sieht das etwas anders aus. Zwar hat auch hier DGT weltweit die Nase vorn, aber zumindest gibt es ein bis zwei Konkurrenten. Witzigerweise wurde das DGT-Logo auf der Schachuhr nicht abgeklebt, was dazu führte, dass zu später Stunde am Sonntag recht viele Leute nach dieser DGT Uhr mit Google suchten und bei Topschach.de im Shop gelandet sind. Vielen Dank an dieser Stelle an den WDR :-)

Es gab aber noch eine Besonderheit an dem eingesetzten DGT-Schachset. Und zwar die Schachfiguren. Hier hat man sich für den Royal-Figurensatz entschieden und als Fach-Händler ist mir hier sofort eine Kleinigkeit aufgefallen. "Was sind denn das für Springer ??? Hey !!! Die kennst Du doch !"

Bild

Ja,- da schau her. Ich habe keine Ahnung wer dem WDR das DGT-Set angedreht hat, aber bei den Royal-Figuren handelte es sich um eine Fehlproduktion, bei welcher die Springer größer sind, als die Läufer. Wirklich sehr mächtige Springer. Grund für den Fehler war der von DGT beauftragte neue Produzent der Schachfiguren, welcher von DGT einen fehlerhaften Beispiel-Satz Royal-Figuren zugesendet bekommen hat. Und so hat dieser Produzent fröhlich einen Royal-Figurensatz nach dem anderen mit übergroßen Springern produziert und an DGT gesendet. Da dieser Figurensatz mit DGT-Set bei uns jede Woche recht häufig über den Ladentisch geht, ist der Fehler recht schnell aufgefallen und DGT hat alle ausgelieferten übergroßen Springer zurückgeordert.

Ich nehme einfach mal an, das es irgendeinem faulen Händler aus Heiden einfach zu viel Arbeit war, die Figuren an DGT zurückzusenden :-) Tja und so wird wohl einer dieser Figurensätze mit übergroßen Springern beim WDR gelandet sein :-)

Aber gut,- kommen wir zur Partie. Gespielt wurde eine Bulletblitzpartie, in welcher Heino mit 4 Minuten und Melanie mit einer Minute Bedenkzeit starten musste. Auch wenn Heino offensichtlich noch nie Blitz- oder Bulletpartien gespielt hat und auch das Bedienen einer Schachuhr für Ihn neu war, hat er sich gegen Melanie ganz gut geschlagen. Nachdem Heino zu Anfang vergessen hat, nach jedem Zug die Uhr zu drücken, wollte Sandra Maischberger diesen Part übernehmen, aber noch bevor sie überhaupt in die Nähe der Uhr kam, wurde sie recht barsch von Helmut Pfleger zurückgepfiffen. Frau Maischberger kommentierte das Verhalten mit einem sehr witzigen Gesichtsausdruck, welcher sich ungefähr so interpretieren lässt "Schachspieler sind wirklich Eigenbrödler!". Helmut Pfleger hat den Part des Uhrendrückens also selbst übernommen. Zur Partie selbst lässt sich sagen, dass Melanie für meinen Geschmack recht einfallsloses Schach gespielt hat und ich mit jedem Zug das Gefühl stärker wurde, dass sie einfach nur auf einen Einsteller von Heino wartet. Am Ende wurde es dann taktisch, aber bevor Melanie den Sack zumachen konnte, war Heinos Zeit abgelaufen.

Hier die Partie:

[Event "WDR Handicap-Blitz 4'-1'"]
[Site "?"]
[Date "2015.08.10"]
[White "Heino"]
[Black "Ohme, Melanie"]
[Result "0-1"]
[ECO "B30"]

1. e4 c5 2. Bc4 Nc6 3. d3 e6 4. Nf3 a6 5. a3 b5 6. Ba2 Bb7 7. O-O Nf6 8. e5 Nd5
9. Bg5 Be7 10. Bxe7 Qxe7 11. Re1 O-O 12. c4 Nc7 13. cxb5 axb5 14. d4 d6 15. exd6 Qxd6 16. dxc5 Qxc5 17. b4 Qb6 18. Ne5 Rad8 19. Qc1 Nxe5 20. Rxe5 Qd4 $19 {
Zeitüberschreitung.} 0-1

Am Ende durfte Melanie noch einen Satz zur Spielstärke von Heino sagen und wurde anschließend recht flott mit Helmut Pfleger aus der Sendung gescheucht. Da hatte ich mir eigentlich etwas mehr erwartet, aber Schach im Fernsehen ?!? Scheint selbst dem WDR mittlerweile nur ein traurig notwendiger Lückenfüller zu sein.

FAZIT: Wer gute Schachunterhaltung erwartet hat, wurde enttäuscht. Froh bin ich aber trotzdem, dass unser Schachsport zumindest für einen Augenblick Beachtung bekam. Leider hat der WDR mit Helmut Pfleger auf den Trend der 80er gesetzt und mit Melanie Ohme zwar eine nette Vertreterin des Schachsports gegen Heino spielen lassen, aber das Mädel wirkte einfach zu brav und aufgeräumt. Ich will Ecken und Kanten sehen ! Pfleger blieb bei seiner recht flotten Kommentierung seinem Vokabular aus längst vergessenen Zeiten treu, was einen sehr unmodernen Eindruck hinterließ.

Eventuell sollte die WDR-Redaktion bei zukünftigen Schach-Ideen in irgendwelchen Sendungen mal auf YouTube recherchieren. Da gibt es einige Leute, welche einfach mit mehr Witz rüberkommen und auch mehr Personality ausstrahlen.

;)
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